Just doing my Job – Über den Wachhund am Campingplatz

Wachinstinkt Australian Shepherd

Der Australian Shepherd erlebt gerade einen weltweiten Boom – als ‚Border Collie light‘ avanciert er zum neuen Modehund. Was vielen Menschen vor der Anschaffung dieser äusserst attraktiven Hunde nicht klar ist, ist die Tatsache, dass diese Rasse als Ranchhund – neben der Arbeit am Vieh – auch die Aufgabe hatten und haben, minimalste Auffälligkeiten am Horizont (vermeintliche Eindringlinge oder sonstige Gefahren) zu melden und diese gegebenenfalls zu vertreiben.

Dieser Wachinstinkt kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein – ich besitze mit Skye ein besonders ambitioniertes Exemplar….

Alles im Blick

Solange wir in Bewegung sind, also beim Wandern, Spazieren, Spielen am Strand etc. bellt Skye so gut wie nie etwas oder jemanden an.

Aber in der Sekunde, in der wir uns entspannen, wir uns also z.B. in den Campingsessel fallen lassen, am Strand auf ein Handtuch legen oder aber bei einer Bergwanderung die Gipfeljause genießen, da beginnt Skye’s ‚ARBEIT‘. Und diese Arbeit macht sie gründlich! Ihr entgeht NICHTS!!!

Ihre Anzeige reicht – je nach Situation – von einem kurzen Brummen bis zu einem blitzschnellen Aufschießen und mindestens fünf Meter in Richtung des Auslösers (fremder Mensch) laufen – das Ganze unternahmt von lauten Gebell. Letzteres kommt eher vor, wenn sie selbst erschrickt, weil sie beispielsweise gerade gedöst hat oder wenn jemand schnell und nah in ihrem Blickfeld auftaucht.

Ich finde diese Eigenschaft grandios – beim Wildcampen….

Nie im Leben könnte sich jemand unbemerkt an unseren Bus anschleichen um uns auszurauben!

Wie gehen wir beim Wildcampen mit Skye’s Wachinstinkt um?

Ganz einfach: Wie zuhause!

Wir stehen auf, wir gehen ’nachschauen‘, wir bedanken uns bei Skye und sagen ihr, dass alles gut ist. In der Regel ist der ‚Job‘ für meine Hündin erledigt, sobald wir eine – für sie adäquate – Reaktion auf ihre Meldung zeigen.

Nun ist es aber so, dass wir beim Wilcampen ja die Einsamkeit suchen. Somit kommt es

  1. selten vor, dass uns hierbei fremde Menschen begegnen, gegen die man bewachen muss &
  2. wenn mal bewacht wird, selten irgendwelche Nachbarn da sind, die sich von der Bewachung gestört fühlen könnten.

Ganz anders am Campingplatz…..

Unsere Wirkungsvollsten Maßnahmen am Campingplatz

Einfachste Dinge können Großes bewirken:

  • Wir steuern keine riesigen Campingplätze an
  • wir meiden die Hauptsaison und meiden Campingplätze, die sich als besonders kinderfreundlich aufgrund ihres Animationsprogramms kennzeichnen
  • Wir achten bei der Auswahl der Parzelle darauf, uns nicht zentral am Campingplatz zu platzieren. Lieber irgendwo abseits – weg von den Sanitäranlagen, weg vom Eingangsbereich und natürlich nicht in der Nähe von Sandkiste oder Schaukel, wenn’s denn eine gibt.

Kommen Skye’s Ruhepausen zu kurz, so liegen ihre Nerven irgendwann blank und sie regt sich anschließend auch über ‚Kleinigkeiten‘ auf, aber mit den angegebenen Maßnahmen beugt man in der Regel dauernder ‚Laufkundschaft‘ vor.

Was wir zudem auf der Parzelle zu beachten versuchen:

Je nachdem, wie ein Campingplatz ausgerichtet ist, wie die Parzellen unterteilt sind usw. parken wir auch manches Mal den Van als Sichtschutz zum restlichen Campingplatz. So hat man ganz nebenbei besonders viel Privatsphäre 😊

Sollte dies nicht möglich sein, verwenden wir gegebenenfalls andere Dinge als Sichtschutz – das kann mal eine Liege sein, die wir auf die Längsseite gekippt aufstellen oder eine Decke, die wir zwischen den Stehern der Markise und/oder einem Baum verspannen.

Gerade bei einem Aussie, der sehr stark auf visuelle Reize reagiert, können diese Dinge schon sehr viel zur Entspannung beitragen.

Hier ist die Liege aufgestellt. Wenn Skye nicht gerade wie eine Kerze da sitzt, sieht sie über die Liege nicht hinweg & kann besser entspannen
In diesem Fall dient der Van als Sichtschutz zum restlichen Campingplatz

Für den Fall, dass all diese Managementmaßnahmen nicht ausreichend für Skye’s Entspannung sind, verwende ich zwei wunderbare Trainingstools, die sich bislang beide Situations-abhängig sehr bewährt haben:

Click für Blick

Bei dieser Methode marker ich mit einem Clicker oder Markerwort jeden Blick von meinem Hund zum Auslöser noch bevor sie bellt und belohne sie sogleich.

Mit diesem Tool kann ich die negative Stimmung, die mein Hund gegenüber einer potentiellen Gefahr hat, ins Positive verändern – mithilfe simpelster klassischer Konditionierung.

Oben drauf bekomme ich von meinem Hund nach dem Klick noch ein perfektes Umorientierungssignal, was in meinem Fall heißt , dass sich Skye vom Auslöser weg dreht, um sich bei mir einen Keks zu holen.

Click für Blick funktioniert für uns sehr gut. In der Regel ist meine Hündin nach ein paar Wiederholungen so weit, dass sie beim Erblicken eines ‚Feindes‘ von sich aus zu mir dreht noch bevor ich klicke, um sich auf direktem Weg ihren Keks zu holen.

Zeigen und Benennen

Zeigen und Benennen ist eine Weiterführung von Click für Blick.

Ganz einfach erklärt, könnte man sagen, dass ich (nach inzwischen sehr sehr langem Training) eine Möglichkeit bekommen habe, meinen Hund auf einen Auslöser hinzuweisen, damit sie gelassen darauf reagieren kann.

Über den Aufbau des Tools möchte ich hier nicht schreiben – hierzu gibt’s ganz tolle Artikel im Netz bzw. noch tollere Trainer, die einem das gerne persönlich beibringen. Sehr ausführlich & verständlich erklärt hier von Martina Schoppe.

Ich benutze Zeigen und Benennen, wenn ich weiss, dass sich Skye vor einem Auslöser (Mensch) erschrecken würde, weil sie zum Beispiel gerade döst oder abgelenkt ist (gerade in diesen Situationen reagiert sie oft unverhältnismäßig). Wir kündigen ihr verbal an ‚Achtung Skye, da kommt ein Mensch‘ und sofort hält sie nach eben diesem Ausschau. Hat sie den Menschen erspäht, darf sie ihn eine Weile lang ansehen und bekommt anschließend für’s ruhige Kucken ihren Klick mit darauffolgende Keks. Skye ist hierbei meistens recht (auf gut österreichisch) g’schaftig, weil sie den Menschen ‚gefunden‘ hat. Es ist beinahe wie ein Spiel – Ich seh ihn, ich seh ihn!!!!

Mir wurde dieses Trainingswerkzeug eigentlich im Rahmen eines Anti-Jagd-Kurses näher gebracht, ich habe aber nach einer Weile erkannt, dass es auch ganz hervorragend auf den Campingplatz passt.

Diese beiden Trainingstools setzen allerdings voraus, dass ich selbst auch ständig konzentriert bin. Sollte dies mal nicht der Fall sein, oder aber Skye hat einfach über den Tag bereits sehr viel Impulskontrolle verbraucht und schafft es schlichtweg nicht mehr, einen Auslöser ruhig anzusehen, hab ich immer noch ein weiteres Ass im Ärmel:

Die Box

Skye hat von Welpenalter an gelernt, dass die Box ein ganz toller Ort ist, an dem sie auch von jeglichen Pflichten (in diesem Fall dem Bewachen) befreit ist. Die Box wurde bei uns als absolute Wohlfühlhöhle aufgebaut und meine Hündin fühlt sich darin nicht eingesperrt, sondern geschützt.

Es ist keinesfalls schwierig den Hund positiv an die Box zu gewöhnen, man muss nur etwas Zeit mitbringen und sollte nicht zuviel auf einmal erwarten. Eine sehr schöne Anleitung kommt von Iris Blitz/Trainieren statt Dominieren https://www.trainieren-statt-dominieren.de/blog/14-allgemein/62-boxentraining

Wir besitzen für zuhause mehrere Stoffklappboxen, wovon wir gelegentlich eine auf Reisen mitnehmen. Diese wiegen beinahe nichts, lassen sich platzsparend transportieren, sind ultraschnell aufgebaut und durch das Textilmaterial kann die Luft auch prima zirkulieren.

Sollten wir die Faltbox mal nicht dabei haben, können wir Skye auch in ihre Box im Auto setzen – bei 40 Grad im Schatten sicherlich keine Option, aber gerade abends, wenn wir bei einem Gläschen Wein noch entspannt vor dem Van sitzen möchten, die Dämmerung aber unseren Zwerg zum noch gründlicheren Bewachen animiert, hat sich dies bewährt.

In der Regel ermöglicht eine Kombination meiner hier gelisteten Maßnahmen einen relativ entspannten Campingplatzaufenthalt für alle Beteiligten…..

An mir kommt keiner vorbei….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.